faq
  1. Klima – was bedeutet das überhaupt?
  2. Hat sich das Klima nicht schon in der Vergangenheit oft gewandelt?
  3. Wie sicher sind die Erkenntnisse der Klimaforscher?
  4. Worin liegen die Unsicherheiten?
  5. Gibt es unter den Klimawissenschaftlern Stimmen, die den wissenschaftlichen Konsens anzweifeln?
  6. Was für Folgen des Klimawandels lassen sich schon heute beobachten?
  7. Was für Folgen wird der Klimawandel in Zukunft haben?
  8. Warum waren die bisherigen Klimaschutz-Bemühungen so erfolglos?
  9. Was muss geschehen, damit nicht mehr beherrschbare Folgen verhindert werden können?
  10. Der Klimawandel ist ein globales Problem. Was kann Deutschland dazu beitragen, diese Herausforderung zu bewältigen?
  11. Wie viel kann jede/r Einzelne zum Klimaschutz beitragen?
  12. Werden Sie Klima-Experte! Buchtipps:


1. Klima – was bedeutet das überhaupt?

Klima ist nicht das gleiche wie Wetter, und die Nichtbeachtung dieses Unterschieds führt immer wieder zu Missverständnissen. Während das Wetter nur eine ‚Momentaufnahme’ des Zustands der Troposphäre darstellt, bezeichnet das Klima das Verhalten von Wettergrößen wie Temperatur, Niederschlag, Druck und Bewölkung über einen längeren Zeitraum von mindestens 30 Jahren. Das Klima im globalen Mittel ist dabei das Ergebnis einer einfachen Energiebilanz: Die auf der Erde ankommende Sonnenstrahlung minus des Anteils, der ins All zurück reflektiert wird ergibt die Wärmestrahlung der Erde. Ozeane und Atmosphäre verteilen diese Wärme innerhalb des Klimasystems und spielen für das regionale Klima eine wichtige Rolle.

Das Klima wird im Wesentlichen von drei Variablen beeinflusst. Erstens kann die ankommende Sonnenstrahlung durch Änderungen in der Umlaufbahn um die Sonne oder in der Sonne selbst variieren. Zweitens kann der ins All zurückgespiegelte Anteil sich ändern (in erster Linie durch den Grad der Schneebedeckung) Und drittens wird die zurückgespiegelte Wärmestrahlung durch den Gehalt der Atmosphäre an absorbierenden Gasen (Treibhausgase) und Aerosolen (Partikeln in der Luft) beeinflusst. Die vorrangige Aufgabe der Klimaforschung ist es, herauszufinden, wie stark welcher Faktor das Klima konkret beeinflusst.

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2. Hat das Klima sich nicht schon in der Vergangenheit oft gewandelt?

Aus Eisbohrkernen, Sedimentablagerungen am Meeresgrund und Wachstumsringen in Korallen und Bäumen lässt sich das Klima der Erdgeschichte erstaunlich gut bestimmen. Dabei zeigt sich: Es unterlag seit jeher einem stetigen Wandel. In der Kreidezeit herrschten selbst in arktischen Breiten subtropische Temperaturen, dann kühlte das Klima langsam ab. Seit zwei bis drei Millionen Jahren pendelt das Klima zwischen Eis- und Warmzeiten hin und her.
Es gilt inzwischen als gesichert, dass die Schwankungen in der Erdumlaufbahn, die sogenannten Milankovich-Zyklen, die Hauptschrittmacher für diese Kalt/Warm-Schwankungen sind. Welche Rolle spielen nun die Treibhausgase bei den Klimaänderungen?
Sie lassen das einfallende kurzwellige Sonnelicht fast ungehindert bis zur Erdoberfläche passieren. Die von der Erde reflektierte langwellige Wärmestrahlung wird hingegen von den Treibhausgasen wie von Glasscheiben eines Treibhauses zur Erde zurückgestrahlt. Die wichtigsten Treibhausgase CO2 und Methan sind, stark vereinfacht gesagt, so etwas wie ein Korrektiv des Klima-Systems. Ihre Konzentration steht in direktem Zusammenhang mit der Oberflächen-Temperatur: Steigt die Konzentration der Treibhausgase, steigt mit einiger Verzögerung auch die Temperatur, sinkt die Konzentration, sinkt auch die Temperatur. Im ‚natürlichen’ Klimasystem der Erde wird die Treibhausgas-Konzentration durch globale Regelkreisläufe gesteuert. Durch den Treibhaus-Effekt erwärmt sich die Erde auf eine durchschnittliche Temperatur von 15 °C und wird dadurch erst bewohnbar. Zu dem natürlichen Treibhauseffekt kommt der anthropogen (durch den Menschen) bedingte Treibhauseffekt. Er führt zu einer zusätzlichen Freisetzung von klimawirksamen Gasen und somit zu einem weiteren Anstieg der globalen Temperatur.

Verlauf Kohlendioxidgehalt
Abbildung 1: Durch das Verfeuern von fossilen Brennstoffen und das Abholzen von Regenwald bringt der Mensch das sensible Gleichgewicht des Klimasystems der Erde durcheinander

Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Verlauf_Kohlendioxidgehalt.png


Wie außerordentlich der menschlich verursachte Anstieg der Treibhausgase ist, zeigen die Daten aus den antarktischen Eisbohrkernen: Seit 650.000 Jahren war die CO2-Konzentration zu keinem Zeitpunkt nur annähernd so hoch, wie sie in den letzten hundert Jahren geklettert ist.

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3. Wie sicher sind die Erkenntnisse der Klimaforscher?

Unter aktiven Klimaforschern gelten folgende Kernaussagen als gesichert, sind also wissenschaftlicher Konsens:
  1. Die Konzentration der Treibhausgase ist seit 1850 stark angestiegen, von dem für Warmzeiten seit mindestens 650.000 Jahren typischen Wert von 280 parts per million (ppm) auf 381 ppm im Jahre 2006.
  2. Für diesen Anstieg ist der Mensch verantwortlich. In erster Linie durch die Verbrennung fossiler Brennstoffe (78 Prozent), in zweiter Linie durch Abholzung von Wäldern (22 Prozent).
  3. CO2 ist ein klimawirksames Gas, das den Strahlungshaushalt der Erde verändert: Ein Anstieg der Konzentration führt zu einer Erwärmung der oberflächennahen Temperaturen. Bei einer Verdopplung der Konzentration liegt die Erwärmung im globalen Mittel sehr wahrscheinlich (zu 95 Prozent) bei 3 Grad +-1 Grad Celsius.
  4. Das Klima hat sich im 20. Jahrhundert deutlich erwärmt, global um 0,7 Grad Celsius, in Deutschland um ca. 1 Grad. Ein großer Teil dieser Erwärmung fand in den letzten 40 Jahren statt. 12 der zurückliegenden 13 Jahre waren die heißesten seit Beginn der Temperaturaufzeichnungen, das Jahr 2005 das heißeste aller Zeiten.
  5. Der überwiegende Teil dieser Erwärmung ist auf die gestiegene Konzentration von CO2 zurückzuführen, ein weit geringerer Teil auf natürliche Ursachen, u.a. Schwankungen der Sonnenaktivität.


4. Worin liegen die Unsicherheiten?

Unsicherheit gibt es noch darüber, wie groß der Einfluss der Wolken auf das Klima ist, auch über die Rolle der Aerosole sind noch Fragen offen. Hier kommen die Klimamodelle ins Spiel. Sie bilden das gegenwärtige Klima anhand von Beobachtungsdaten nach, die noch unsicheren Parameter werden dabei systematisch variiert. Ziel der Modelle ist es, möglichst genau zu bestimmen, wie stark das Klima auf Veränderungen der Treibhausgas-Konzentration reagiert. Klimaforscher beschreiben die Antwort darauf mit einer Messzahl, der so genannten ‚Klimasensitivität’. Gängig ist dabei die Angabe der Erwärmung infolge der Verdopplung der CO2-Konzentration von 280 parts per million (ppm) auf 550 ppm.
Die neuesten und besten Klimamodelle zeigen, dass die allermeisten Modellversionen bei dieser Annahme eine Erwärmung von 3 Grad ergeben. Wie kommt es dann, mag sich mancher verwundert fragen, dass in manchen Zeitungen von einer Spanne von 1,1 bis 6,4 Grad die Rede ist, wenn es um die künftig zu erwartende Erwärmung geht?

Das menschliche Verhalten ist der größte Unsicherheitsfaktor

Wie stark sich das Klima künftig wandeln wird, hängt maßgeblich von einem Faktor ab: Dem Menschen. Noch ist völlig unklar, ob und wie stark es der Menschheit gelingen wird, den Anstieg der Treibhausgas-Konzentration einzudämmen. Der "Weltklimarat" IPCC, der in einem Abstand von sechs Jahren das Wissen zum Klimawandel zusammenfasst, arbeitet deshalb mit sechs verschiedenen Szenarien. Ihnen liegen unterschiedliche Annahmen zur künftigen Energienutzung zu Grunde. Im Szenario mit der niedrigsten CO2-Konzentration gehen die Forscher von einer Erwärmung von 1,8 Grad (1,1 – 2,9 Grad), im schlimmsten Fall von 4,0 Grad (2,4 – 6,4 Grad) bis zum Ende des 21. Jahrhunderts aus.

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5. Gibt es unter den Klimawissenschaftlern Stimmen, die den wissenschaftlichen Konsens (s. Frage 3) anzweifeln?

Der Amerikaner Richard Lindzen gilt als der einzige fachlich ernstzunehmende Skeptiker einer anthropogenen Erwärmung. Er argumentiert, dass es in den Tropen einen starken negativen Rückkopplungseffekt gibt, den sogenannten Iris-Effekt, der dort eine Klimaänderung kompensiert. Er hält deshalb die Klimasensitivität für praktisch gleich null. In den Eiszeiten habe sich nur die Temperatur der hohen Breitengrade verändert, die globale Mitteltemperatur dagegen kaum. Zu der Zeit, als Lindzen seine Theorie entwarf, konnte man aufgrund unsicherer Daten noch so argumentieren. Inzwischen gilt unter Paläoklimatologen durch neue und verbesserte Daten aber als gesichert, dass sich auch die Temperaturen der Tropen bei früheren Klimaänderungen um mehrere Grad verändert haben. Deshalb, und weil Lindzen empirische Beweise für den Iris-Effekt schuldig geblieben ist, konnte er kaum einen Fachkollegen für seine Hypothese gewinnen.

Die Sonne scheidet als treibender Faktor aus

Die Schwankung der Sonnenaktivität wird von keinem ernst zu nehmenden Klimawissenschaftler als wesentlicher Faktor bei der beobachteten Erwärmung in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts herangezogen. Seit 1940 weisen weder Sonnenaktivität noch kosmische Strahlung einen Trend auf, der die tatsächlich gemessene Erwärmung erklären könnte. Zudem hat sich heraus gestellt, dass die Sonnenstrahlung wesentlich weniger variiert, als noch vor wenigen Jahren angenommen wurde.

Um es ganz klar zu sagen:

Es gibt keinerlei Zweifel mehr darüber, dass der Klimawandel statt findet und vom Menschen verursacht wird – es wird in Fachkreisen nur noch über den genauen Umfang diskutiert. Beitrag zum Klimawandel

Abbildung 2: Der Erwärmungstrend seit 1970 kann nur noch durch den menschlichen Einfluss erklärt werden.

Quelle: Robert A. Rhode, Global Warming Art Project http://de.wikipedia.org/wiki/Bild:Climate_Change_Attribution_German.png


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6. Was für Folgen der globalen Erwärmung lassen sich schon heute beobachten?

Trotz der bislang nur geringen globalen Erwärmung von 0,6 Grad im 20. Jahrhundert lassen sich bereits zahlreiche Auswirkungen beobachten. Der vierte UN-Weltklimabericht fasst das Wissen über den Klimawandel zusammen. Er nennt als gesicherte, durch zahlreiche Studien nachgewiesene Folgen:
  • die Gebirgsgletscher und das arktische Meer-Eis schrumpfen
  • die Kontinentaleismassen in Grönland und der Antarktis zeigen Anzeichen von beschleunigtem Abschmelzen
  • Permafrost-Boden taut auf
  • der Meeresspiegel steigt derzeit um 3 cm/Jahrzehnt an
  • die Vegetationsperiode verlängert sich
  • viele Tier- und Pflanzenarten verändern ihr Verbreitungsgebiet

Zudem sind bei den Wetterextremen folgende Trends erkennbar:
  • die Häufigkeit von heftigen Niederschlägen hat zugenommen
  • die Häufigkeit von Hitze- und Dürreperioden hat zugenommen
  • die Intensität der tropischen Wirbelstürme (Hurrikane und Taifune) hat sich verstärkt

Eine detailliertere Beschreibung der schon heute sichtbaren Folgen finden Sie hier. Auch die Verbreitung von durch Insekten übertragenen Krankheiten hat zugenommen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kam nach einer umfangreichen Untersuchung im Jahr 2002 zu dem Ergebnis, dass schon heute jährlich mindestens 150.000 Menschen an den Folgen der globalen Erwärmung sterben. Die meisten Opfer sind dabei in Entwicklungsländern zu beklagen.

Diese Beobachtungen sind einerseits ein unabhängiger Beleg für die Tatsache der Erderwärmung – andererseits aber nur erste Vorboten dessen, was an Auswirkungen des Klimawandels auf Mensch und Natur zukommen werden.

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7. Was für Folgen wird der Klimawandel künftig haben?

Da sich der Ausstoß von Treibhausgasen nicht von heute auf morgen einstellen lässt, werden einige weitere Folgen der globalen Erwärmung nicht mehr abzuwenden sein. Laut dem vierten Sachstandsbericht des UN-Weltklimarats sind folgende Dinge ‚wahrscheinlich’ oder ‚sehr wahrscheinlich’:
  • Land- und Wasserwirtschaft vieler afrikanischer Länder werden großen Belastungen ausgesetzt sein
  • es kommt zu mehr Hungersnöten
  • die Häufigkeit von Waldbränden und Hitzewellen wird zunehmen
  • viele Tierarten werden aussterben
  • Korallenriffe werden einen starken Rückgang erleben
  • der Meeresspiegel wird weiter steigen.

An diese Folgen muss die Menschheit sich möglichst gut anpassen. Die Anpassungsfähigkeit könnte jedoch schon bald überschritten werden, wenn es nicht gelingt, den Ausstoß von Treibhausgasen signifikant einzudämmen. Denn es macht einen sehr großen Unterschied, ob es nur zwei, drei oder gar vier Grad und mehr wärmer wird. Hans-Joachim Schellnhuber, Klimaschutz-Berater der Bundesregierung, formuliert es so: „Es lohnt sich, um jedes Zehntelgrad zu kämpfen.“

Denn das Klimasystem ist ein nicht-lineares System, das sehr sprunghaft reagieren kann. Oder wie der amerikanische Klimatologe Wallace Broecker es formulierte: „Das Klima ist kein träges Faultier, sondern gleicht eher einem wilden Biest.“ Als Schwelle, ab der dieses Biest außer Kontrolle geraten könnte, hat die EU schon 1997 eine Erwärmung von maximal zwei Grad gegenüber 1850 definiert.

Jenseits dieser Schwelle könnten eine Reihe von Kipp-Punkten im Klima-System umgelegt werden – mit irreversiblen Konsequenzen. Die Folgen wären dramatisch:
  • das Grönland-Eisschild könnte sich innerhalb weniger Jahrhunderte auflösen und abschmelzen, wodurch sich der Meeresspiegel um mindestens 7 Meter erhöhen würde.
  • alle Gletscher des Himalaja könnten bis zum Ende des Jahrhunderts ebenfalls abschmelzen. Weil diese Gletscher die sieben größten Ströme Asiens mit Wasser speisen, ist die Wasserversorgung von mehreren hundert Millionen Menschen gefährdet.
  • der gesamte Amazonas-Regenwald könnte bis zum Jahr 2080 komplett versteppen. Damit ginge nicht nur eine einzigartige Artenvielfalt und Lebensgrundlage für Millionen von Menschen verloren – es würde auch zudem so viel CO2 freigesetzt, wie im gesamten 20. Jahrhundert durch das Verbrennen von Kohle, Öl und Gas.
  • die afrikanischen Savannen könnten sich in lebensfeindliche Wüsten verwandeln.
  • der indische Monsun könnte komplett außer Kontrolle geraten.
  • die Versauerung der Ozeane bedroht die gesamte Nahrungskette im Meer. Gegenwärtig decken zwei Milliarden Menschen ihren Eiweißbedarf durch Meerestiere.


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8. Warum waren die bisherigen Klimaschutz-Bemühungen so erfolglos?

1992 unterschrieben auf dem legendären ‚Erdgipfel’ in Rio de Janeiro 166 Staaten die Klimarahmenkonvention. Sie verpflichteten sich damit dazu, eine ‚gefährliche anthropogene (durch den Menschen verursachte) Störung des Klimasystems’ zu vermeiden. 1997 setzte das Kyoto-Protokoll dieses Bestreben in verbindliche Reduktionsziele für Treibhausgase um. Seither fand jedes Jahr eine große Weltklimakonferenz statt.
Eigentlich müsste die Menschheit damit auf einem guten Weg sein. Die Wahrheit ist jedoch eine andere. Vielen Worten folgten wenig Taten, der Ausstoß an Treibhausgasen erreichte jedes Jahr einen neuen Höchststand. Wie kann es sein, fragen sich viele, dass eigentlich alle das Klima schützen wollen, der Zug dennoch beharrlich in die falsche Richtung fährt?

Der Hauptgrund: Um das Klima zu schützen, müssen einerseits Investitionen in erneuerbare Energien, Energieeffizienz und die Bewahrung des Waldbestandes getätigt werden, andererseits muss der Verbrauch fossiler Energie teurer gemacht werden, um Anreize zu schaffen. Diese Kosten, so argumentierten die Gegner eines wirksamen Klimaschutz-Regimes, führen zu Wettbewerbsnachteilen auf dem zunehmend globalen Markt - wenn nicht alle im gleichen Maße mitmachen. Es wäre jedoch unfair gewesen, den aufstrebenden Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien und Südafrika die selben Maßstäbe anzulegen wie den Industrieländern. Denn die Entwicklungsländer haben einerseits nur rund 10 Prozent zu den ‚historischen’ Emissionen beigetragen, andererseits steht ihnen ein Gutteil der energieintensiven Industrialisierung noch bevor. Die USA – die zunächst unter Clinton/Gore entscheidend zum Entstehen des Kyoto-Protokolls beigetragen hatten - wollten jedoch keine Wettbewerbsnachteiel in Kauf nehmen und traten deshalb als großer Bremser und Blockierer. Zudem bremsten Länder, die selbst reiche Vorkommen an fossilen Brennstoffen haben, die Verhandlungen zusätzlich aus.

Die ‚Lobby der Leugner’

Diese Blockadehaltung wurde ermöglicht durch eine ‚Lobby der Leugner’, die gezielt Medien und Politik beeinflusste. Eine Untersuchung von Sozialwissenschaftlern aus Chicago und Helsinki kam 2003 zu dem Ergebnis, dass die intensive Lobbytätigkeit von über einem Dutzend industrienaher und bestens finanzierter Organisationen maßgeblich zur Wende in der US-Klimapolitik und dem Ausstieg aus dem Kyoto-Protokoll beigetragen hat. Die Strategien ähnelten denen der Tabakindustrie, die über viele Jahre immer wieder Wissenschaftler und Studien präsentierte, die die Unschädlichkeit des Rauchens behaupteten. Diese Saat des Zweifels, die auch in Deutschland etwa durch den Bundesverband Braunkohle wiederholt gesät wurde, hat entscheidend dazu beigetragen, dass entschiedenes Handeln immer wieder vertagt wurde. Mit der Folge, dass es nun schon ‚eine Minute vor Zwölf’ ist.

Die Ratifizierung des Kyoto-Protokolls durch Russland wurde von Wissenschaftlern als Meilenstein des internationalen Klimaschutzes gefeiert. Dass neuerdings auch die USA wieder die Bereitschaft zu verpflichtenden Reduktionen äußert, ist ein wichtiges Signal für die im Dezember stattfindenden Verhandlungen der UN-Klimakonfrenz in Kopenhagen. Ein ambitioniertes Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll zu entwickeln ist aus Sicht des Klimaschutzes dringend geboten. Denn das Kyoto-Protokoll ist bislang das einzige völkerrechtlich verbindliche Instrument der Klimaschutzpolitik und beinhaltet nur vergleichsweise geringe Reduktions-Verpflichtungen der Industrieländer.

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9. Was muss geschehen, damit nicht mehr beherrschbare Folgen verhindert werden können?

Bereits 1996 hat der Rat der EU den Fluchtpunkt aller Klimaschutz-Bemühungen definiert: Der „globale Temperaturmittelwert sollte das vorindustrielle Niveau nicht um mehr als zwei Grad übersteigen.“ Dieses 2-Grad-Ziel ist seither durch verschiedene EU-Beschlussfassungen immer wieder bestätigt worden - doch dementsprechend gehandelt wurde nicht (siehe Frage 8). So kommt es, dass die Weltgesellschaft nun einer deutlich tiefgreifenderen und gewaltigeren Herausforderung gegenübersteht.

Der Ausstoß von Treibhausgasen muss bis 2050 um die Hälfte reduziert werden – prognostiziert wird im selben Zeitraum jedoch eine Verdopplung des Energiebedarfs. Die Energie muss künftig also wesentlich effizienter eingesetzt werden, gleichzeitig müssen die erneuerbaren Energien stark ausgebaut werden.

Um diese Zielvorgabe zu erreichen, müssen alle an einem Strang ziehen: Industrieländer und Schwellenländer. Letztere werden jedoch nur dazu bereit sein, sich Emissionsgrenzen aufzuerlegen, wenn die Industrieländer vorangehen und den Schwellenländern vormachen, dass Wohlstand und soziale Gerechtigkeit mit den für den Klimaschutz nötigen Investitionen vereinbar sind. Zudem ist ein wirkungsvolles Anreizsystem notwendig, das eine klimaverträgliche wirtschaftliche Entwicklung bei gleichzeitiger Beseitigung der Armut im Süden ermöglicht. Das Konzept eines ‚ökosozialen Marshall-Plans’ (s. Buchtipps) verspricht dies zu den wirtschaftlich geringsten Kosten einlösen zu können.

Diese Kosten werden dennoch erheblich sein. Doch es ist weitaus günstiger jetzt zu handeln, als später die Zeche zahlen zu müssen. Dies hat der Ende Oktober 2006 veröffentlichte Report des ehemaligen Weltbank-Ökonomen Nicholaus Stern eindrucksvoll unter Beweis gestellt. Im Auftrag der britischen Regierung hat er das Kunststück vollbracht, die Folgen eines ungebremsten Klimawandels und der damit verbundenen schier unglaublich anmutenden Groß-Katastrophen (s. Frage 7) in etwas umzurechnen, das wir alle verstehen: In Kosten. In dem sogenannten Stern-Report kommt er zu dem Ergebnis, dass die Folgekosten eines ungebremsten Klimawandels zwischen 5 und 20 Prozent des weltweiten Bruttoinlandprodukts betragen würden. Dies könnte das wirtschaftliche und soziale Leben in einem Ausmaß schädigen, welches mit den Folgen der Weltkriege und der Wirtschaftskrise zu Beginn des 20. Jahrhunderts vergleichbar wäre.

Wenn die Menschheit sich dagegen entschließt, durch eine konsequente Reduzierung der Treibhausgasemissionen die schlimmsten Auswirkungen des Klimawandels zu vermeiden, könnten die Kosten auf etwa 1 Prozent des globalen Bruttoinlandsprodukts begrenzt werden.

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10. Der Klimawandel ist ein globales Problem. Was kann Deutschland dazu beitragen, diese Herausforderung zu bewältigen?

Deutschland hat es sich auf die Fahnen geschrieben, weltweiter Vorreiter in Sachen Klimaschutz zu sein – die Welt allein retten kann es natürlich nicht. Schließlich machen die deutschen Emissionen gerade einmal 3,2 Prozent des weltweiten Ausstoßes aus.

Dennoch kommt Deutschland eine ganz entscheidende Rolle in der internationalen Klima-Diplomatie zu. "Leading by example" ist hier das Stichwort – das kürzlich schon einen ersten Erfolg gebracht hat. Mitte März 2007 einigten sich die europäischen Staats- und Regierungschefs, den CO2-Ausstoß bis 2020 um 20 Prozent zu senken (mit der Option auf eine Minderung um 30 Prozent, wenn die anderen "Big Player" mitziehen). Das konnte nur geschehen, weil Deutschland bereit ist, mit einem Minderungsziel von minus 40 Prozent bis 2020 voranzugehen.

Und nur mit dieser Vorlage ist es möglich, Druck auf diejenigen aufzubauen, auf die es entscheidend ankommt - die USA sowie die größten Schwellenländer China, Indien, Brasilien und Südafrika.

Hinzu kommt, dass ambitionierter Klimaschutz auch der Wirtschaft der Vorreiter-Staaten großen Nutzen bringen kann. So hat das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) der deutschen Windkraft-, Solar- und Biomasse-Branche einen Boom beschert, der bisher 170.000 neue Arbeitsplätze geschaffen hat. Dank der erfolgten Investitionen ist Deutschland heute Weltmarktführer in der Umwelttechnik - einer der wachtsumsstärksten Branchen überhaupt. Die in Deutschland erzielten technologischen Fortschritte machen es zudem auch anderswo auf der Welt leichter, Emissionsminderungen zu erreichen.

Dass soll jedoch nicht heißen, das Deutschland sich bisher nur mit Ruhm bekleckert hat. Es gleicht in Sachen Klimaschutz bisher eher einem "Einäugigen unter den Blinden". Zwar sind die Treibhausgas-Emissionen in Deutschland im Jahr 2008 gegenüber dem Vorjahr um 1,2 Prozent gesunken, für einen auch langfristig erfolgreichen Klimaschutz bedarf es nichtsdestotrotz vieler weiterer Anstrengungen. Der ökologische Umbau erfordert in erster Linie größere politische Durchsetzungsstärke bei der Auseinandersetzung mit der Energiewirtschaft, der Automobilindustrie und der Industrie – und einen Bewusstseinswandel im Verhalten der Verbraucher.

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11. Wie viel kann jede/r Einzelne zum Klimaschutz beisteuern?

Vergleich zu 1990

Abbildung 3: Im Vergleich zum Kyoto-Ausgangsjahr 1990 steuerten die Verbraucher im Jahr 2006 etwas weniger zu Deutschlands CO2-Emissionen bei. Der Anteil der Emissionen aus dem Verkehr ist dagegen um knapp ein Fünftel gestiegen.

Haushalte und Kleinverbraucher produzieren etwa 20 Prozent der CO2-Emissionen. Weitere 18,2 Prozent macht der Anteil des Verkehrs an den Gesamtemissionen aus. Zieht man hiervon die Emissionen des Land- und Forstwirtschaftlichen Verkehrs, des Militärs und des Güterverkehrs ab, bleibt immer noch knapp ein Drittel aller CO2-Emissionen, auf die das Verbraucherverhalten einen direkten Einfluss hat.

Indirekt beeinflussen die Kaufentscheidungen und das Nutzerverhalten jedoch auch die anderen Sektoren. Denn wenn die Verbraucher weniger Energie für das Beheizen der eigenen vier Wände und für ihre Elektrogeräte verbrauchen, muss auch weniger Energie produziert werden – die Emissionen der Energiewirtschaft sinken.

Wenn die Verbraucher sich stärker für Energiesparlampen, sparsame Autos und energiesparende Häuser interessieren, verändert das auch das Angebot der Wirtschaft. Wie das aussehen kann, ließ sich im Laufe des letzten Jahres in den Regalen der Supermärkte besichtigen: Aufgrund der gestiegenen Nachfrage nach Bio-Produkten hat sich auch das verfügbare Angebot der gesünderen Lebensmittel binnen eines Jahres verdoppelt.

Richtig ist aber auch, dass das Engagement des Verbrauchers keine Ersatzleistung für wegweisende Gesetze der Politik sein darf. Maßnahmen wie das Top-Runner-Programm für Elektrogeräte und das Energiegeld sind dringend notwendig, um den noch unwilligen Teilen der Industrie und "Klima-Fossilen" auf die Sprünge zu helfen.

Ist Klimaschutz also doch in erster Linie eine Aufgabe für Politik und Wirtschaft? Weit gefehlt! Denn gerade weil die Politik stärker aktiv werden muss, ist das persönliche Engagement notwendig! Denn diejenigen Verbraucher, die ihr Verhalten umstellen, sind Vorbilder und Vorreiter für den Klimaschutz. Sie wecken auch bei anderen das Klima-Bewusstsein und schaffen dadurch das gesellschaftliche Klima, aus dem Veränderungen in Politik und Wirtschaft resultieren. Denn Politik orientiert sich letztenendes immer am Wähler, Wirtschaft immer am Verbraucher – und daran, was relevante gesellschaftliche Gruppen für wichtig erachten.

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12. Werden Sie Klima-Experte! Buchtipps:

  • Stefan Rahmsdorf, Hans-Joachim Schellenhuber (2006): „Der Klimawandel. Diagnose, Prognose, Therapie“, Verlag C.H. Beck oHG, München:
    Hans-Joachim Schellnhuber ist Klimaschutzberater der Bundesregierung und der renommierteste deutsche Klimawissenschaftler. Zusammen mit seinem Kollegen Stefan Rahmstorf vom Potsdam-Institut für Klimafolgenforschung gibt er auf 144 Seiten einen kompakten und verständlichen Überblick über den derzeitigen Stand des Wissens zum Klimawandel und zeigt Lösungswege auf.
  • Tim Flannery (2006): „Wir Wettermacher“, S. Fischer Verlag, Frankfurt:
    Das Klima liegt in unserer Hand – im Guten wie im Schlechten. Der australische Wissenschaftler und Zoologe hat in einer unglaublichen Fleißarbeit „all das zusammen gefasst, was eigentlich jeder Zeitgenosse über den Klimawandel wissen sollte“ Das Erstaunliche dabei: Es ist auch noch sehr unterhaltsam zu lesen. Flannerys Blick liegt dabei naturgemäß etwas stärker auf den desaströsen Auswirkungen, die der Klimawandel auf die Artenvielfalt (siehe Frage 7) haben könnte.
  • Lutz Wicke, Peter Spiegel, Inga Wicke-Thüs (2006): „Kyoto Plus. So gelingt die Klimawende“, Verlag C.H. Beck oHG, München:
    Lutz Wicke war Umweltstaatssekretär in Berlin und wissenschaftlicher Direktor am Umweltbundesamt. In Zusammenarbeit mit der Global Marshall Plan Initiative hat er ein überzeugendes Konzept für ein weltweites marktwirtschaftliches Anreizsystem zur Bekämpfung des Klimawandels erarbeitet. Das Grundprinzip: Jeder Mensch erhält die gleichen Nutzungsrechte an der Atmosphäre. Da die Entwicklungsländer im Süden pro Kopf weit weniger Emissionen erzeugen, können sie ihre überzähligen Nutzungsrechte an die Industriestaaten des Nordens verkaufen. Die Einnahmen dürfen jedoch nur für Klimaschutz-Ausgaben verwendet werden. Es entstünde ein ‚Ökosozialer Marshallplan’, der weltweite Klimagerechtigkeit herstellen würde - und kompatibel mit den Mechanismen des Kyoto-Protokolls wäre.
    Ein visionäres Buch, das viel Mut macht!
  • Michael Müller, Ursula Fuentes, Harald Kohl (2007): „Der UN-Weltklimareport: Bericht über eine aufhaltsame Katastrophe“, Kiepenheuer & Witsch Verlag, Köln: Dieses Buch fasst leicht verständlich und übersichtlich die verschiedenen IPCC-Berichte zusammen. In kurzen Statements kommen auch einige Politiker und UN-Wissenschaftler selbst zu Wort und machen deutlich, dass es Zeit zum Handeln ist. Auch für Leser ohne viel Vorwissen ist dieses Buch sehr zu empfehlen!


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